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Nachbericht | Sergey Kuznetsov bei der November Reihe 2018 in London

17.01.2019

Die architektonische Qualität des öffentlichen Raums gestalten


Der letzte Sprecher in der November Reihe 2018 über Wohnungsbau war der Chefarchitekt von Moskau, Sergey Kuznetsov. Kuznetsov machte 2001 seinen Abschluss am Architekturinstitut von Moskau und gründete dann seine eigene Firma. Danach war er zusammen mit Sergei Tchoban Mitbegründer des Architekturbüros SPEECH, das auf mehr als 250 Mitarbeiter anwuchs und Projekte in Russland und im Ausland abwickelte. 2012 wurde er ins Amt berufen. Er wirkte auch daran mit, den russischen Pavillon an der 13. Biennale für Architektur in Venedig zu kuratieren.


Kuznetsov eröffnete seine Vorlesung, indem er den Übergang vom Betreiben eines privaten Büros zum Arbeiten für die Regierung beschrieb, mit dem Ziel, die architektonische Qualität von Moskaus öffentlichem Raum, seiner Infrastruktur und dem Wohnungsbau zu verbessern. Er verglich die Erfahrung mit der eines Studenten, der alles über das neue Umfeld und seine Rolle ganz von vorne lernen musste. Er beschrieb auch den relativen Mangel an interessanter, öffentlicher Architektur in Moskau im Vergleich mit der immensen Fülle an Immobilien, als er seine Stelle übernahm.


Das wichtigste Projekt, an dem Kuznetsov in den letzten sechs Jahren arbeitete, ist der Zaryadye Park, der erste öffentliche Park, der in Moskau nach mehr als 50 Jahren angelegt wurde. Zaryadye liegt in der Nähe des Roten Platzes und zählt 12 Millionen Besucher pro Jahr. Er wurde so gestaltet, dass er das ganze Jahr über attraktiv ist und ist in den Social Media hochpräsent. Kuznetsov bezeichnete das Projekt als entscheidend für seine Karriere und als Beispiel dafür, wie Architektur und Leidenschaft zusammenspielen.


Kuznetsov gab anschließend einen Überblick über einige der größeren Projekte, an denen er während seiner Zeit im Amt gearbeitet hat. Das erste war der Luzhniki-Komplex, das nationale Stadion von Russland, das für die FIFA 2018 renoviert wurde. Er präsentierte auch die Sanierung des Industriegebiets von ZIL, 540000 m2 an Wohnungen und Landschaftsgestaltung rund um Moskaus Uferzonen, das in fünf Jahren fertig werden soll. Kuznetsov sprach auch über das Flussentwicklungsprojekt von Moskau, das von 2010 bis 2013 realisiert wurde und 196 km Dämme umfasst, welche 83 km des Flusses einfassen.


Ein weiteres großes Projekt für Moskau ist die rasch wachsende Entwicklung der Moskauer Metro, die heute 155 Stationen umfasst und durchschnittlich in jedem Jahr um 10 Stationen wächst. Kuznetsov erläuterte, dass das Projekt sich vieler aufkommender Architekturbüros bedient, wobei er die Nefa Architekten erwähnte, die ausgewählt wurden, um die Station bei Solntsevo neu zu gestalten, welche täglich 50000 Menschen benutzen. Kuznetsov betonte auch den Einsatz von Stararchitekten wie Zaha Hadid, MVRVD, Renzo Piano und Herzog & de Meuron für große Projekte durch die Regierung.


Der Fokus der Vorlesung verlagerte sich dann auf das Thema der Massenwohnungen in Moskau und auf die großen Pläne von Kuznetsov, das Vorgehen für die Entwicklung des Wohnungsbaus in den nächsten drei bis fünf Jahren zu verändern.


Um den Kontext für diese neue Vision verständlich zu machen, zeigte Kuznetsov Videos und Diagramme, um die anonymen, in Fertigbauweise erstellten Massenwohnungen darzustellen, die am Stadtrand während der Sowjet-Ära erstellt wurden. Er zeigte eine Reihe von zeitgenössischen Wohnungskomplexen von mehreren Architekturbüros, darunter auch SPEECH, um zu illustrieren, wie Massenwohnungen in der Zukunft aussehen könnten. Diese umfassen verschiedene architektonische Stile, Merkmale und Fassaden, um Interesse zu wecken, neugierig zu machen und ein Zusammen- und Zugehörigkeitsgefühl unter den Bewohnern zu schaffen.


Kuznetsov präsentierte Bildmaterial von öffentlichen Anhörungen, um den Bedarf an neuen Wohnungen zu zeigen, die dazu beitragen würden, die Kriminalität und unsoziales Verhalten in den Gemeinschaften einzudämmen. Dieses zeigte auch den Wunsch nach einem detailreichen, menschengerechten Umfeld, das zugänglich ist und reich an öffentlichem Raum.


Während der Frage-und-Antwortrunde führten die Studenten und Dozenten mit Kuznetsov eine Diskussion darüber, wie man z.B. bestehende Gemeinschaften durch Verjüngung zusammenhält, wie man architektonische Aktivposten wie Parks in einem öffentlichen Budget abdeckt, sowie über Kuznetsovs persönliche Entscheidung, von Russlands größtem Architekturbüro in eine staatliche Rolle zu wechseln. Kuznetsovs persönlicher Rat an die Studenten lautete, immer ein Hobby außerhalb der Architektur zu pflegen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben aufrecht zu erhalten.

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Interview mit Sergey Kuznetsov

Das Video-Interview in englischer Sprache finden Sie
auf dem YouTube-Kanal der Sto-Stiftung.

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Bert Große
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