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Tradition und Moderne | Etan Kimmel

16.12.2015

Tradition und Moderne

November Reihe 2015 in Prag


Seinen Vortrag eröffnete Architekt Etan Kimmel mit der These, dass der Weg zu den Wurzeln der gegenwärtigen israelischen Architektur ein Weg der Kontinuität des Modernismus ist.


Kimmel hat in den 80er Jahren promoviert, in einer Zeit, in der die israelische Architektur stark von der Postmoderne dominiert wurde. Die Tradition der Moderne, basierend auf dem Bauhausstil trat vorübergehend in den Hintergrund und somit auch die Arbeit zahlreicher europäischer Architekten, die vor und nach dem zweiten Weltkrieg nach Israel gegangen sind.


Nach einer kurzen Einleitung ging Kimmel zur Vorstellung seiner eigenen Projekte über: Beim ersten Projekt handelte es sich um das Rehabilitationszentrum in der Stadt Be´er Sheva am Rand der Wüste. Das Grundstück wird von wilder Natur, Sand und Sonne umgeben. Und aus der Natur geht auch das Grundkonzept hervor – die einzelnen Räume werden als Bausteine genutzt, deren Platzierung einen kontinuierlichen öffentlichen Raum entstehen lässt. Der Bau selbst besteht aus drei Elementen: „Neue Topografie“, "Bausteine" und „schwebendes Dach“. Diese drei Elemente helfen die Grundprinzipien des Hauses zu erhalten – Zugänglichkeit, Orientierung und Beständigkeit. Beständigkeit wird im rauen Wüstenklima durch die Verbindung von natürlicher Kühlung, Luftzirkulation und einer genauen Platzierung der Fenster erreicht.


Das nächste, noch nicht beendete Projekt ist Check Point Building – ein neues Gebäude für die School of Science an der Universität in Tel Aviv. Das Gebäude befindet sich im Zentrum des Universitätscampus und bildet somit den zentralen Punkt des Areals. Die Architekten geht es um die Darstellung der Beziehung zwischen der "virtuellen" und der akademischen Welt. Ein tragendes Motiv des ganzen Baus bildet die Doppeldeckung an der Fassade, die aus veränderbaren Pixel-Elementen besteht, deren Kombinationen grafisch entworfen werden. Bei den Pixel-Elementen handelt es sich um Rechtecke aus Glas, die mit Hilfe eines 3D-Laser-Druckers produziert wurden. Der Wunsch des Kunden, eine natürliche Lüftung in den Arbeitsräumen der Akademiker zu realisieren, zwang die Autoren zur Entwicklung eines komplizierten Fenstersystems, das mit Hilfe von Mock-up-Modellen gründlich getestet wurde.


Ein sehr spezifisches Projekt war die Realisierung des National Memorial on Mount Herzl in Jerusalem, das 24 000 jüdischen Opfern der Verteidigung von Israel gewidmet wurde. Das Projekt basiert auf dem Konzept der "Erinnerungssteine" – jedem Gefallenen ist ein "Schränkchen", mit einer Lichtquelle ausgestattet, gewidmet. Die einzelnen Schränkchen bilden zusammen eine Mauer, die als Hauptelement des ganzen Baus fungiert. Einen monumentalen Ausdruck bekommt der Bau durch eine "Lichtglocke", eine turmartige Konstruktion, die durch den Hauptraum verläuft und ebenfalls aus Erinnerungswürfeln zusammengesetzt wird. Es wurde das LEGO-Prinzip angewandt - eine Konstruktion aus kleinen Steinen, die durch eine robotische Hand genau in die jeweilige Position gebracht werden und ineinander fallen. Bei dem Entwurf des Elements haben die Autoren mit dem Labor EtH Zurich zusammen gearbeitet, eine ganze Reihe von Baumustern getestet und zusammen Mock-up Modelle entwickelt.


Das wahrscheinlich bedeutendste Projekt des Architekturbüros ist das archäologische Museum in Jerusalem. Dieses Gebäude befindet sich in einer unmittelbaren Nähe zur Alten Stadt und ist auf mittelalterlichen Grundrissen erbaut worden, die Grundrisse bilden einen Teil des Museums. Deshalb, aber auch aufgrund des historischen Kontexts, befindet sich das fast gänzlich transparente Gebäude unter der Erde. Die sich oberhalb der Bodengrenze befindenden Teile wurden so konzipiert, dass die Mauern nicht die historischen Kunstwerke verdecken.


Neben einigen kleineren Bauten hat Etan Kimmel auch seinen letzten Bau vorgestellt, das Diller Building for Humanities and Social Sciences an der Ben-Gurion University of the Negev. Das Büro wurde im Architekten-Wettbewerb ausgewählt, bei dem zur Interaktion mit dem bereits bestehenden Gebäude im Campus aufgefordert wurde. Die Architekten haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Heterogenität eines jeden Arbeitsplatzes hervorzuheben, was sich sowohl im Außenbereich, als auch im Innenraum des Gebäudes zeigt.


Zum Schluss seiner Präsentation hat Etan Kimmel die Freude seines Büros darüber zum Ausdruck gebracht, dass er und seine Kollegen sich nicht nur an großen öffentlichen Aufträgen beteiligen können, sondern auch an urbanen Planungen und kleineren Wohnbauten. Aus zahlreichen gezeigten Fotos von Villen und Residenzen wurde eine Vorliebe für Wasserelemente, Einfachheit, Funktionalität, die Liebe zum Detail und auch zu Beständigkeit deutlich.

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Bert Große
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