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Interior Scholarship | Blog 01/2018 | Anca Badut

15.11.2018

Architektur besteht nicht aus Mauern und Mauern sind keine Architektur


Es ist nicht etwas, das wir nur für die Leute machen, es ist nicht etwas, das wir tun, um dem Wunsch eines Menschen zu entsprechen und es ist nicht etwas, das wir tun, um uns darin einzuschließen und um die Welt draußen zu vergessen – Architektur besteht nicht aus Mauern und Mauern sind keine Architektur. Sie ist eher eine Projektion von uns auf die Welt draußen. Sie ist, wenn Sie erlauben, ein Manifest

.

Design hat seine Bedeutung in den letzten Jahren radikal verändert – und hat seinen Weg immer noch nicht klar definiert. Wohin geht die Reise? Was fangen wir mit so viel computerisierter Architektur an? Wieviel davon ist einfach eine Spielerei und wieviel davon ist echte Forschung? Warum lernen Architekten alles über Skripterstellung und warum gibt es Wettbewerbe für Design außerhalb der Erde? Trotz der überwältigenden Anzahl von Tools und der zunehmenden Macht der Technologie gibt es eine Reihe von Elementen, die bei der Arbeit von Designern eine Bedeutung erlangt haben – diese Elemente sind die eigentliche Verbindung mit der echten Welt, mit der Umwelt, dem Kontext, in dem wir und die übrigen Lebewesen leben, sei es Leben unter der Wasseroberfläche oder oben am Himmel, um es poetisch auszudrücken. Dynamiken – denn nichts ist statisch, Szenarien und Verhaltensformen – weil wir nichts unter Kontrolle haben und was auch immer wir entwerfen, auch das hat nichts unter Kontrolle. Das Mindeste also, was wir tun können, ist darauf zu achten, welche Veränderungen es auslösen könnte und Simulationen – denn Design gibt es nicht ohne einen bestehenden Kontext – das sind nur einige der Elemente, die Architektur, Innenarchitektur, Design von Objekten, Forschung im Umweltbereich, Geophysik, Computerwissenschaft und mehr miteinander verknüpfen.

Seit mehr als einem Jahr nun habe ich die Rolle einer Forschungsassistentin für die Kurse in Advanced and Intermediate Visual Communication in Landscape Architecture an der University of Toronto, Daniels Faculty, Masters in Landscape Architecture Program wahrgenommen. Die Kurse werden von Matthew Spremulli - Innovation Manager bei Autodesk Research Toronto und Seasonal Lecturer an der University of Toronto, abgehalten. Und hier hatte ich die Gelegenheit, am meisten mit hybriden Workflows und Darstellungen zu experimentieren, um Interaktionen in großem Maßstab und das Design von Landschaften zu analysieren und zu simulieren. Dabei lag mein Schwerpunkt darauf, eine Animationssoftware (Autodesk Maya) für die Analyse des Terrains zu implementieren, Terrain durch modellierende und formgebende Werkzeuge zu gestalten und Interaktionen zu erzeugen und natürliche Phänomene wie Schneefall und Überschwemmungen bei einem vorgeschlagenen Design zu beobachten. Auf diese Art haben wir visuelle Methoden zur Analyse und Simulation von Entwürfen in großem Maßstab entwickelt, die die Arbeit der Studenten an ihren eigenen Diplomarbeiten ergänzen.

Meine letzten Forschungsarbeiten sind nachfolgend dargestellt; sie befassen sich mit gesteuerten Simulationen für große Mengen von Wasser. Ich habe mit natürlichen Phänomenen in verschiedenen Größenordnungen experimentiert, vom Verhalten von Wasser in einem Abfluss bis zum Verhalten einer Überflutung und der Interaktion von Wellen mit einem Strand. Die hauptsächlich verwendeten Tools in den dargestellten Bildern waren nParticles und Bifrost, eine verfahrenstechnische Ergänzung von Maya 2018. Eine Menge an Tests, Analysen und Lektüre über Strömungslehre war nötig, um diese Beispiele zu entwickeln. Resiliente Entwürfe von Städten kämpfen damit, Antworten auf natürliche Belastungen zu finden, auf Probleme, mit denen wir als Menschen konfrontiert sind und die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Design und Architektur – ungeachtet der Größenordnung – sind Bereiche, in denen wir mit Lösungen für Probleme im großen Rahmen experimentieren können. In der experimentellen Architektur ist jede Art von Forschung willkommen und nötig. Dabei ist es für uns an der Zeit, damit aufzuhören, uns einzuschränken. Es geht nicht nur um einen vorgegebenen Raum, in dem wir arbeiten; wir arbeiten mit gewaltigen Systemen, über die wir keine Kontrolle haben oder die sogar außerhalb unseres Vorstellungsvermögens liegen.

Ich glaube, dass unser Ziel als Entwickler darin besteht, die Welt aus mehreren Perspektiven zu sehen und die Bedeutung von Design als mögliche Lösung für die Fragen und Bemühungen der gesamten Bevölkerung zu verstehen. Design ist eine großartige Möglichkeit, sich bewusst für eine bessere Zukunft einzusetzen, aber dazu müssen wir aufhören, uns selbst zu beschränken, wir müssen die Tools verstehen, die wir zur Verfügung haben, wir müssen sogar verstehen, wie sie sich weiterentwickeln werden. Wir müssen auch akzeptieren, dass die Arbeit an inspirierenden Projekten, an Projekten, die eng mit Forschung verknüpft sind, sich im Hintergrund, hinter den Kulissen abspielt.

Ich plane gerade, meine Untersuchungen an großformatigen Simulationen und Analysen für die Gestaltung von Landschaften und auch die Städteplanung fortzusetzen. Dabei möchte ich auch die Animationstools im Auge behalten, die man am besten für dynamische Darstellungen einsetzen kann, wie z.B. verfahrenstechnische Tools und Tools für die grafische Darstellung von Bewegung. Ich bin fest davon überzeugt, dass meine weiteren Untersuchungen als Studentin der Architektur für mich eine große Rolle dabei gespielt haben, die Bedeutung der Funktion und ihrer Verlinkung mit dem Design zu verstehen und dabei auch die Bedeutung der Größenordnung, in der wir arbeiten, nicht aus den Augen zu verlieren. An meiner Universität haben wir an kleinen, detaillierten Größenordnungen bis hin zu denen von Städten gearbeitet, was mir ein besseres Gefühl für die Herausforderungen und die enorm zunehmenden Möglichkeiten von Design gegeben hat.

Anca Badut


Scholarship-Stipendiatin Anca Badut studiert Architektur an der University of Architecture and Urbanism „Ion Mincu
Scholarship-Stipendiatin Anca Badut studiert Architektur an der University of Architecture and Urbanism „Ion Mincu". Sie nahm 2017 an einem Intership-Programm in Toronto an der Philip Beesley Architect Inc. / Living Architecture Systems Gruppe teil. Im Anschluss an ihrem Bachelor- and Master-Programm hat sie vor, einen Ph.D. zu erwerben. Foto: Sto-Stiftung / AIT

Über Anca Badut

Anca Badut studiert Architektur an der University of Architecture and Urbanism „Ion Mincu". Sie nahm 2017 an einem Intership-Programm in Toronto an der Philip Beesley Architect Inc. / Living Architecture Systems Gruppe teil. Im Anschluss an ihrem Bachelor- and Master-Programm hat sie vor, einen Ph.D. zu erwerben.

Mehr:

Pressemitteilung zur Juryentscheidung: Bewerbungen von 89 Studierenden aus 16 Ländern

Interview mit Anca Badut: Hier

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