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Nachbericht | Amica Dall bei der November Reihe 2017 in Paris

22.02.2018

Kollektive Arbeit an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Design


Die Geschichte des Londoner Kollektivs Assemble ist die eines fulminanten Erfolgs. Im Jahr 2010 von fünfzehn jungen Hochschulabsolventen und Studenten gegründet, wurde das Kollektiv bereits fünf Jahre später mit dem begehrten Turner Prize für zeitgenössische Kunst ausgezeichnet, der seit 1984 von der Tate Gallery verliehen wird. Zum ersten Mal wurde damit eine Architektengemeinschaft geehrt. Obwohl nicht alle Architekten sind. Vortragsgast Amica Dall hat zum Beispiel Literatur und Anthropologie studiert. Heute besteht die Gruppe aus achtzehn Mitgliedern, die sich einer kollektiven Arbeit an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Design widmen.


Alternative und kollaborative Ansätze


Mit vielen anderen Kollektiven ist Assemble Teil der zu Tage tretenden Landschaft, die alternative und kollaborative Ansätze vertritt, welche die Rolle des Architekten hinterfragen und, die Studierende faszinieren. Amica Dall hat eine lange Einleitung zu ihrem Beitrag vorbereitet. Ihr Ausgangspunkt: eine Erinnerung an Lina Bo Bardi. „Die Freiheit des Künstlers wurde immer als individuell angesehen, doch die individuelle Freiheit ist ein Mythos: Wirkliche Freiheit kann nur kollektiv sein“.


Gestaltung der Stadt mit all ihren Ungleichheiten


Assemble befasst sich mit der Gestaltung der Stadt, mit den Ungleichheiten, die sie hervorbringt, mit denen, die ausgeschlossen sind. Amica Dall erwähnt den Soziologen Robert Park. Sie zitiert aus seinem Buch von 1967 On Social Control and Collective Behavior: „Das Recht auf die Stadt ist weit mehr als die individuelle Freiheit, Zugang zu städtischen Ressourcen zu haben: Es ist das Recht, uns selbst zu verändern, indem wir die Stadt verändern. Die Freiheit, unsere Städte und damit uns selbst zu gestalten und neu zu gestalten, würde ich als eines der wertvollsten und zugleich am wenigsten beachteten Menschenrechte bezeichnen.“ Die Anerkennung dieses Rechts bildet die Basis des Arbeitsansatzes von Assemble. Während sich die Arbeit des Kollektivs auf begrenzte physische Räume erstreckt, können sich seine Mitglieder auf eine Arbeit in größeren Dimensionen berufen: den sozialen Raum.


Assembles Projekte


Zwei Projekte von Assemble stellte Amica Dall vor. Zunächst Granby Four Streets: In einem ehemaligen Liverpooler Arbeiterviertel beteiligten sich die Mitglieder des Kollektivs an einem Bauvorhaben, das von den Bewohnern selbst initiiert worden war. Sie unterstützten sie mit räumlichen und bautechnischen Kenntnissen bei der Renovierung ihrer von einer Abrissmaßnahme bedrohten Häuser. Eine Durchführung des Sanierungsprojekts in Eigenregie lag angesichts der Umstände auf der Hand. Ungewöhnlicher war jedoch, dass gleichzeitig echtes handwerkliches Know-how vermittelt und dazu eigens eine Werkstatt eröffnet wurde. Die Intervention der Architekten war auf einen bestimmten Moment des Projektlebens beschränkt, der für seinen Anfang und seine Zukunft jedoch entscheidend war.


Eine ähnliche Bedeutung hat auch das zweite Projekt Folly for a Flyover, für den Ort, an dem es installiert wurde. Assemble schlug die Einrichtung eines Kinos unter einer Londoner Autobahnbrücke vor. Das erste Projekt des Kollektivs war gewissermaßen ein Manifest, dem folgender Gedanke zugrunde lag: Die Nutzung eines Ortes kann sowohl von den physischen Gegebenheiten abhängen als auch von der Art und Weise, wie man ihn gestaltet. Der Erfolg des temporären Projekts und die Initiative der Bevölkerung überzeugten die Behörden später, langfristig in die Gestaltung dieses öffentlichen Raums zu investieren.


Assemble ist ein Projekt


Assemble ist kein Architekturbüro, das Projekte realisiert, es ist selbst ein Projekt. Assemble verkörpert die Idee einer kollektiveren, freieren und inklusiveren Gestaltung der Stadt. Assemble steht für den Versuch des Aufbaus einer administrativen Struktur, deren Ziel es ist, die dauerhafte Verankerung eines alternativen Ansatzes zu ermöglichen. Ein alternativer Ansatz und einzigartige Werkzeuge: künstlerische und architektonische Wohnformen, kollaboratives Arbeiten, Wiederverwendung. Einzigartige Werkzeuge und eine neue Organisation. Assemble funktioniert nicht wie ein herkömmliches Architekturbüro. Und angesichts des Erfolgs müssen eine Reihe von Abläufen eingeführt werden, um sich darauf einzustellen. Wie bei einem Architekturprojekt glichen ihre ersten Arbeiten formalen Experimenten: Organisation, Arbeitsaufteilung; Beteiligung, Einbindung der Bevölkerung; Ausarbeitung und Finanzierung des Auftrags. Heute ist die Suche nach Strukturen und Kohärenz mehr in den Vordergrund gerückt, um die Stabilität ihrer Gruppe zu gewährleisten.

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Interview mit Amica Dall

Das Video finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Stiftung.

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Bert Große
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