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Interior Scholarship | Blog 01/2017 | Nina Kaul

20.12.2017

Fünf Monate Praxiserfahrung in einem Architekturbüro im Westen Indiens


Anfang November bin ich mit dem Flugzeug im Westen von Indien gelandet. Ahmedabad ist die fünftgrößte Stadt Indiens und liegt in Gujarat. Es ist heiß, es ist bunt, es ist laut. Hupen ist ein gängiges Verkehrskonzept und Starren scheint nicht unhöflich zu sein. Während ich in den ersten Tagen in meiner Unterkunft noch vergeblich herauszufinden versuche, mich mit Essen zu versorgen oder von A nach B zu kommen, sitze ich tagsüber im stark klimatisierten Büro im 11. Stock von Blocher Partners India, lerne neue CAD Programme, berechne die Quadratmeter der Wohnfläche für eine Privatresidenz mit 14 Badezimmern und besuche eine Baustelle in der Wüstenstadt Bhuj.


Ebenso groß sind die Kontraste in Indiens Gesellschaft. Wenn ich morgens mit der Rikscha über den überfüllten Highway entlang der Malls, Krankenhäuser und Hotels ins Büro fahre, leben die Familien am Straßenrand ihren ganz anderen Alltag. Männer schlafen mit dem Kopf an der Bordsteinkante, Frauen machen Feuer und Kinder waschen sich. Für jede erdenkliche Serviceleistung gibt es Personal, meistens sogar doppelt besetzt. Ein Herr drückt die Knöpfe im Fahrstuhl, Frauen fegen Sand von der einen zur anderen Seite der Straße, vier Sicherheitsmänner nicken einem freundlich zu und der Chai wird an den Schreibtisch serviert. Auch in meiner Unterkunft herrscht ein reges Treiben an Personen, die ein und ausgehen, um die ein oder andere Tätigkeit zu verrichten oder um die neue Mieterin der Societey aus Deutschland unter ihrem Moskitonetz einmal betrachten zu können. Viele Landsleute haben noch nie eine Person aus dem Westen gesehen und sind sehr neugierig, fragen nach meiner Herkunft und meinem Namen. Ein Selfie darf natürlich nicht fehlen. Sowieso scheint das Handy in Indien sehr wichtig - ohne geht fast gar nichts.


Wie erwartet begegnen mir im Straßenverkehr täglich Kühe, ab und zu ein Kamel, das einen Holzkarren zieht oder ein bunt bemalter Tempelelefant. Durch das Fenster zu dem Garten meiner Unterkunft höre ich Pfauen und Affen kreischen - und laut spuckende Männer. Nicht zu vergessen die Musik: Um diese Jahreszeit ist Wedding Season und es vergeht keine Nacht ohne traditionelle Musik und Feuerwerk. Ich durfte bereits Gast einer Hochzeitsfeier sein und ich hoffe es werden noch einige mehr folgen. Hier wird sehr ausgelassen und fröhlich getanzt und das natürlich immer ohne Alkohol, denn Gujarat ist ein „Dry State“.


Ahmedabad scheint viele Architekten anzuziehen. Erst kürzlich wurde die 600 Jahre alte Altstadt mit ihren geschnitzten Holzhäusern, Moscheen und Tempeln zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die moderne Architekturgeschichte prägten Le Corbusier, Louis Kahn und Doshi. Bei der Arbeit im Büro ist zu spüren, dass Land und Klima nach anderen Parametern verlangen als im Westen. Es werden große offene Gebäude entworfen und mit Lichthöfen und Schatten gespielt. Präferiert werden kühle, glatte Oberflächen aus Marmor oder Sandstein


Nina Kaul

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Nina Kaul ist Gewinnerin des Interior Scholarship von AIT und Sto-Stiftung. Foto: Sto-Stiftung / AIT

Über Nina Kaul


Nina Kaul wurde in Braunschweig geboren, wo sie auch aufgewachsen ist. Während ihrer Schulzeit wurde ihr künstlerischer Blickwinkel durch die Teilnahme an der Talentförderung Kunst für Schüler geschärft. Nach ihrem Abitur 2011 begann sie ihr Studium der Innenarchitektur an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein/Halle (Saale). Durch ihr Studium und verschiedene Praktika vor und während ihres Studiums in einer Tischlerei, einem Innenarchitekturbüro, bei Volkswagen Immobilien Marketing, einem Künstler und als Szenenbild-Assistenz konnte Nina ihre Fähig- und Fertigkeiten in zahlreichen unterschiedlichen Bereichen weiter ausbauen. 2016 entwarf sie zur Premium Fashion Week Berlin einen Messestand und setzte diesen um. 2017 folgte ein Logo-Entwurf für ein kleines Hamburger Unternehmen.

Rückfragen beantwortet gern

Bert Große
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