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Nachbericht | Francesco Isidori bei der November Reihe 2017 in London

14.12.2017

Shared Space


Im letzten Vortrag der November Reihe der Sto-Stiftung sprach Francesco zu den Studenten an der University of East London über die Arbeit von Labics, einem Büro für Architektur und Städteplanung mit Sitz in Rom, Italien. Isidori gründete das Büro 2002 zusammen mit Maria Claudia Clemente und seitdem ist es auf fast dreißig Mitarbeiter gewachsen. Das Portfolio reicht von kleinen Innenarchitekturprojekten bis hin zur umfassenden Gesamtkonzeption.


Labics hat verschiedene nationale und internationale Architekturwettbewerbe gewonnen, darunter den MAST (Manufactory for Art, Innovation and Technology) in Bologna und die Città del Sole – Entwicklung in Rom. Beide kamen für die Mies van der Rohe Awards in die engere Wahl. Vor kurzem erhielt Labics eine Ehrenvolle Erwähnung im Wettbewerb um das Guggenheim Museum Helsinki und seine Arbeiten wurden an der 11., 12. und 14. Architektur Biennale in Venedig ausgestellt.


Isidori eröffnete seinen Vortrag zum Thema „Gemeinschaftliche Räume“, indem er auf die Bedeutung der Forschung für das Büro zu sprechen kam, und auf sein besonderes Interesse an der zeitgemäßen Stadt und der Beziehung zwischen Architektur, städtischer Struktur und öffentlichem Raum.


Das erste Projekt, auf das er einging, Città del Sole, wurde 2007 im Rahmen eines Wettbewerbs gewonnen und letztes Jahr abgeschlossen. Es besteht aus einem Komplex von fünf Gebäuden in der Stadt Rom, mit vielen verschiedenen Funktionen wie Wohnungen, Gewerbe- und Büroräume.


Isidori erklärte, wie das Projekt über zwei Ebenen organisiert ist, sodass man die Erdgeschosse wie auch die Terrassen zwischen den beiden Hauptwohngebäuden als öffentlichen Raum nutzen konnte und das Dach des ersten Stocks als öffentlichen Bereich auf der darüber liegenden Ebene.


Isidori betonte die Wichtigkeit des Kontextes als Ausgangspunkt für jedes Projekt, das Labics abwickelt und erläuterte, wie das Büro daraus ihr Verständnis ableitet, was bei jedem Projekt erhalten bleiben und was verändert werden sollte, indem sie den Kontext sichtet.


Für die Città del Sole war die umgebende Nachbarschaft für das Projekt sehr wichtig und das Büro war bestrebt, sie mit dem bestehenden öffentlichen Raum in Beziehung zu setzen. Sie verwendete dazu Rampen, um eine Verbindung zwischen den Erdgeschossen und den ersten Stockwerken zu schaffen, und dem Straßenbild darum herum Kontinuität zu geben.


Isidori beschrieb, wie die Qualität des öffentlichen Raums auf der räumlichen Komplexität beruht, die man durch die Architektur schafft. In der Città del Sole werden alle Hauptachsen, die an den Platz angrenzen, an den bestehenden Fluchten ausgerichtet, wodurch das Projekt vollkommen integriert ist und seinem bestehenden Umfeld Tiefe verleiht. Die beiden Hauptwohnblöcke bilden einen Kontrast, was Typologie und Fassade anbelangt. Einer ist traditionell und der andere zeitgenössisch; ein Gegensatz, der für die Stadt Rom sehr wichtig ist, wie Isidori ausführte.


Isidori sprach weiter über den MAST, einen Wettbewerb, den das Büro im selben Zeitraum gewann wie die Città del Sole. Dabei ging es um ein multifunktionales Gebäude in Bologna für eine internationale Firma, die Verpackungsmaschinen entwickelt und herstellt. Das Büro stellte sich das neue Gebäude als eine Mikro-Stadt für die Firma vor, wozu auch ein Fitnessstudio, eine Kantine und ein Kindergarten für die Kinder der Mitarbeiter gehörten. Der Firmenchef beschloss allerdings, auch ein zentrales Auditorium, ein Trainingscenter und ein Firmenmuseum für die Ortsansässigen zu integrieren. Dadurch wurde es zu einem einzigartigen Gebäude, halb öffentlich und halb privat. Das Büro entwarf den Komplex so, dass eine Seite auf die Stadt ausgerichtet war, mit Verbindungsstraßen und anschließenden Räumen zwischen den zwei Seiten des Gebäudes, um so neue Verbindungen zwischen dem Bereich der Firma und der Standortgemeinde zu schaffen.


Das nächste Beispiel von Labics Arbeiten, das Isidori aufführte, war eine Intervention, bei der es darum ging, das neue Hauptquartier für die italienische Kommunikationsagentur Italpromo & Libardi Associati zu gestalten. Dabei gelang es dem Büro, das bestehende Gebäude mit natürlichem Licht zu versorgen und den Raum in Sektoren aufzuteilen, um so die richtige Balance zwischen individuellem Raum und Gemeinschaftsräumen sowie zwischen produktiven und sozialen Bereichen herzustellen.


Isidori fuhr mit dem Entwurf für die neue Zentralbibliothek in Helsinki fort, das sich wie das Projekt für Italpromo & Libardi daran orientiert, wie Menschen in ein und demselben Gebäude zusammenkommen, Kontakte pflegen und lernen können. Isidori erläuterte, wie das Büro dies erreichte, indem es sukzessive die Höhe der Stockwerke verringerte, je höher man im Gebäude kommt. Dabei wurde der Bereich für das Lesen und Studieren im obersten Stock konzentriert, während das Erdgeschoss sozialen Aktivitäten gewidmet war.


Isidori ging dann auf ihre Eingabe im Wettbewerb um das Guggenheim Museum in Helsinki ein, bei dem das Büro bei 1700 Teilnehmern eine Ehrenvolle Erwähnung erhielt. Das Büro entwarf das Museum als einen öffentlichen Raum für die Stadt, der 12 Stunden am Tag geöffnet und für jedermann zugänglich war, auch für Leute, die kein Ticket für eine Ausstellung besaßen.


Er sprach anschließend über den Fontana Square, einen städtischen Entwurf für einen öffentlichen Platz in Rozzano, einer Vorstadt von Mailand. Bei diesem Projekt musste das Büro eine Vielzahl von Bedürfnissen der Gemeinde berücksichtigen und auch den Anstoß für neue, ungeplante Verwendungsmöglichkeiten des Platzes geben. Um dem Raum Tiefe und Komplexität zu geben, verwendete das Büro eine Mixtur aus Materialien und landschaftsgestaltenden Elementen, welche auf einem dichten Raster aus Rechtecken mit dem goldenen Schnitt von 1:1.6 beruhte, welcher wiederum jedes Element des Platzes bestimmte, von der Bepflanzung bis zum Pflaster.


Isidori schloss seinen Vortrag, indem er vom Wettbewerb für eine moderne Intervention bei der Ferrara Modern Art-Galerie sprach, den das Büro gewonnen hat und bei der es ein System von hohlen und massiven Elementen verwendete, um den neuen, zeitgemäßen Raum im bestehenden Renaissance-Gebäude zu positionieren; eine Methode, die es dem Büro ermöglichte, die neue Struktur auf das Wesentliche zu reduzieren.

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Interview mit Francesco Isidori

Das Video finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Stiftung.

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November Reihe


Die November Reihe mit hochinteressanten Vertretern der zeitgenössischen Architektur gibt es mittlerweile an sechs europäischen Universitäten in Graz, London, Mailand, Paris, Prag und Stuttgart. Die Sto-Stiftung fördert die Veranstaltungen.

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Bert Große
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