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Nachbericht | Luyanda Mpahlwa beschloss November Reihe 2017 in Stuttgart

05.12.2017

Die soziale Dimension von Architektur


Den Abschlussvortrag der zwölften Stuttgarter Novemberreihe hielt der südafrikanische Architekt Luyanda Mpahlwa. Auf Deutsch bedankte er sich bei Fakultät und Sto-Stiftung für die Einladung – und begrüßte dann seine anwesende Verwandtschaft auf Schwäbisch. Luyanda Mpahlwas Frau und Büropartnerin Ulrike stammt aus Sigmaringen, beide haben sich beim Studium in Berlin kennengelernt. Der lockere Auftakt setzt sich im Vortrag fort. Denn bei Mpahlwa geht es um Menschen und echten Austausch. Und es geht um ein Architektur- und Gestaltungsverständnis das sich aus einer bewegten Lebensgeschichte speist.


Luyanda Mpahlwa wuchs im Südafrika der Apartheid auf. Als er 1980 als einer der ersten Schwarzen in Durban ein Architekturstudium aufnahm, durfte er anders als seine weißen Kommilitonen nicht auf dem Campus wohnen. Er lebte im benachbarten Township. Nach nur einem Jahr Studium kam er als Anti-Apartheid-Aktivist fünf Jahre ins Gefängnis. Dort lernte er Nelson Mandela kennen, der ihn und seinen Blick auf die Welt stark prägte. 1986 emigrierte Mpahlwa nach Deutschland, lernte in einer Flüchtlingsunterkunft rasch die deutsche Sprache, und setzte sein Architekturstudium an der TU Berlin fort. Im Jahr 2000 zog er wieder nach Kapstadt und gründete dort das Büro DesignSpaceAfrica und wirkte am „Projekt Demokratie“ in seinem Heimatland mit.


Mpahlwa ist überzeugt, dass gute Architektur kulturelle Identität widerspiegeln muss. Die Frage, was typisch für sein Land sein könne, hat ihn beim Bau der südafrikanischen Botschaft in Berlin zum ersten Mal beschäftigt und seither nicht mehr losgelassen. Sei es beim Bau eines Luxushotels im aufstrebenden Trendviertel der Metropole Kapstadt oder den vielen Sozialprojekten in den Townships und informellen Siedlungen.


Als typische Elemente südafrikanischen Bauens hat Mpahlwa verschiedenfarbige Erden und Farben, die durch Beimischung von Oxiden erreicht werden, ausgemacht. Gerne arbeitet er auch mit traditionellen Methoden und kunsthandwerklichen Praktiken, die charakteristische Formen und eine sehr spezifische Plastizität erzeugen. Für sein Büro stellt sich im Entwurfsprozess nicht nur die Frage, „wie etwas am Ende aussieht, sondern auch auf welche Weise es gemacht wurde“.


Damit setzt er sich nicht nur mit Ästhetik auseinander, sondern auch mit Aneignungsprozessen. Sein bekanntes 10x10 Sandhaus-Projekt ist eine Serie zweistöckiger Häuser für je knapp 4.000 Euro, entstanden aus einer einfachen Holzkonstruktion und mit Sand gefüllten Säcken. Mpahlwa erzählt, wie die künftigen Bewohner anpackten und der gesamte Bauprozess zu einer Erfahrung wurde, bei dem neben Häusern auch Selbstbewusstsein, Stolz und Freundschaft entstanden. Diese „soziale Dimension von Architektur“ und das schwierige Erbe der immer noch stark separierten Stadtviertel beschäftigt das Büro DesignSpaceAfrica. Sei es beim Bau von 50 Grundschulen binnen zwei Jahren – das Projekt, wurde auf der Biennale in Venedig gezeigt – oder bei der behutsamen Aufwertung der informellen Siedlung „Kosovo“ im Außenbezirk von Kapstadt mit rund 15.000 Einwohnern.


Luyanda Mpahlwa ist bereit, sich persönlich auf Menschen, Realitäten und Bedürfnisse einzulassen. Er arbeitet mit Fingerspitzengefühl daran, bei der Verbesserung von Lebensbedingungen zu unterstützen. Das wird deutlich und vom jungen Publikum an der Universität Stuttgart mit einem langen Applaus bedacht.

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Interview mit Luyanda Mpahlwa

Das Video finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Stiftung.

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November Reihe


Die November Reihe mit hochinteressanten Vertretern der zeitgenössischen Architektur gibt es mittlerweile an sechs europäischen Universitäten in Graz, London, Mailand, Paris, Prag und Stuttgart. Die Sto-Stiftung fördert die Veranstaltungen.

Alle Termine der November Reihe 2017

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Bert Große
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