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Summerschool-Wettbewerb | Future Maker/s Future Market/s

04.10.2017

Seit 2015 sind circa 6.000 Newcomer in Berlin-Lichtenberg angekommen; Davon lebten rund 1.300 Menschen bis zu zwei Jahre lang auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale, dem zukünftigen Campus für Demokratie. Im Sommer 2017 wurde die „Notunterkunft Ruschestraße“ geschlossen und die BewohnerInnen auf andere Unterkünfte in der Stadt verteilt. 200 der Newcomer zogen in die „Gemeinschaftsunterkunft Bornitzstraße“ in der unmittelbaren Nachbarschaft. Bei der Internationalen Summerschool "Future Maker/s – Future Market/s" arbeiteten 20 Studierende und BerufseinsteigerInnen aus 14 verschiedenen Ländern an der Idee, Fähigkeiten, Talente und Wissen der "Neuberliner" zu aktivieren. Entstehen sollten Orte für Begegnung, Interaktion und berufliche Selbstständigkeit.


Ergebnis der ersten Phase war ein Inventar von Fähigkeiten, Talenten und Wissen der BewohnerInnen der Gemeinschaftsunterkunft in der Bornitzstraße. Gleichzeitig suchten wir nach Räumen, die das Potenzial für eine Aktivierung aufweisen und den Campus mit der Nachbarschaft verbinden: Leerstände innerhalb des Campus oder ungenutzte Räume innerhalb und gegenüberliegend der Gemeinschaftsunterkunft.


Im Rahmen der Summerschool formulierten wir zunächst drei Konzepte zur Aktivierung von "Möglichkeitsräumen". Diese "Future Markets" wollten wir zum Abschluss der Workshops als Interventionen erproben.


1) Aktivierung des Campus für Demokratie als Zwischennutzung mit Sprach-Cafés, Veranstaltungsräumen, Räumen für Kulturprogramme.

2) Prozesshafte Entwicklung eines selbstorganisierten Frauennetzwerk in der Gemeinschaftsunterkunft Bornitzstraße – zur gegenseitigen Unterstützung in der Kinderbetreuung und zum Aufbau einer Catering-Küche /Kiez-Kantine.

3) Spontane Aktivierung eines größeren Einzugsgebiets in Lichtenberg mittels mobiler Werkstatt. Gebaut wurde der Prototyp einer mobilen Fahrradwerkstatt inklusive Open-Source-Gebrauchsanleitung zum Nachbau.



Tag 1: Montag, 4. September

"Über welches Talent, welche Fähigkeiten und welches Wissen verfügst du? Und was bietest du zum Tausch? Oder würdest du gerne mit anderen ertauschen?" Mit drei einfachen Fragen haben wir uns zum Auftakt der Summerschool gegenseitig vorgestellt. Nach einer kurzen Einführung zu Anlass und Zielen dieser und der letztjährigen Summerschool und einem Exkurs zu Incubating Spaces in Berlin, erkundeten wir unser Untersuchungsgebiet, das Areal des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) – den künftigen Campus für Demokratie. Führungen durchs Stasimuseum, das zentrale Bundes-Archivs für Stasi-Unterlagen wie auch durch die Ausstellung "Revolution und Mauerfall" der Robert-Havemann-Gesellschaft geben Anlass, die weltweite Bedeutung von Unterdrückung und Menschenrechten zu diskutieren. Wir rekapitulierten gemeinsam, dass seit Sommer 2015 bis kurz vor Beginn der Summerschool bis zu 1.300 Geflüchtete in den 13-geschossigen MfS-Büro-Plattenbauten entlang der Ruschestraße untergebracht waren. Am Nachmittag gingen wir in die Bornitzstraße. Ein Großteil der Bewohner der ehemaligen "Notunterkunft Ruschestraße" ist dort in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht. Mit Regina von Orlow, der Ehrenamtskoordinatorin am Standort, und einigen Bewohnern sprachen wir über bereits vorhandene Ansätze von Eigeninitiativen.


Tag 2: Dienstag, 5. September

Nach so viel Input begann die eigentliche Arbeit: Wir teilten uns in Gruppen auf. Die einen erkundeten und dokumentierten Orte für Eigeninitiative und Begegnung in Nachbarschaft zur Notunterkunft Bornitzstraße. Die anderen entwickelten erste Werkzeuge und Methoden, um Fähigkeiten und Talente zu erfassen. Der Tag endete mit einer kleinen Vortragsreihe. Berliner Organisationen, bei deren Arbeit die Eigeninitiative von Newcomern im Mittelpunkt steht, präsentierten ihre Ansätze. So berichtete Susann Bartsch von der Arbeit des Nähatelier in der Ruschestrasse, Henrik Mayer vom Atelier Global & Citizen Art Days, Yasser Almaamoun präsentierte Multaka Museumsführungen, Franziska Hartmann die Lehrstellenvermittlung Arrivo Berlin, Stefan Neidert berichtete von der Gärtnerei Neukölln und Vinzenz Hemmighofen vom Berliner Gründungs-Incubator Ideas in Motion.


Tag 3: Mittwoch, 6. September

Einzelne Gruppen erkundeten weitere vorhandene und potenzielle Orte in Lichtenberg, die sich besonders für Begegnungen, Austausch und Entfaltung von Eigeninitiativen eignen. Die anderen verfeinerten das Instrumentarium zur Erstellung eines Fähigkeiten-Talente-Wissen-Inventars und knüpften weitere Kontakte in der Notunterkunft.


Am Nachmittag waren externe Experten und lokale Akteure aus gemeinnützigen Initiativen und der Berliner Verwaltung zum Workshop in die Bornitzstraße eingeladen. Zusammen mit Abdulsattar Sheeb (Workeer), Daniela Dahlke (Stadtteilkoordinatorin von Berlin- Lichtenberg), Petra Grampe und Frank Sparmann (HOWOGE), Birgit Monteiro (Stadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft und Arbeit), Monika Bergen (Flüchtlingsrat Berlin), Benjamin Griebe, Lisa Ertl und Antonia Kausch (BstU), Melanie Nazmy-Ghandchi (unbuntus), Prof. Dr. Elena Isayev (University Exeter), Mawena Carteret (Commune de Schaerbeek), Jule Knote (Stadtteilzentrum Lichtenberg Nord) und Franziska Hartmann (Arrivo Schlesische 27) und einigen Bewohnern der Bornitzstraße arbeiteten wir an drei thematischen Tischen. Am ersten zum Thema Nachbarschaft: welche Orte, Projekte und Anknüpfungspunkte können innerhalb der Nachbarschaft ausgemacht werden? Welches Potenzial bieten Newcomer für die Nachbarschaft oder das gesamte Gebiet nördlich der Frankfurter Allee? Am zweiten Tisch wurde über den Campus für Demokratie diskutiert: Welche Rolle nehmen Newcomer im Leitbild ein, das ehemalige MfS-Quartier zu einem Campus der Demokratie zu entwickeln? Bestehen Synergien? Der dritte Tisch widmete sich rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen, um Newcomern in Berlin berufliche Selbstständigkeit grundlegend ermöglichen zu können.


Zum Abschluss des Tages erhielten wir eine sehr spezielle Führung durch das nahe gelegene Dong Xuang Center, ein asiatisches Handels-, Geschäfts- und Einkaufszentrum, und erfuhren viel über drei ganz unterschiedliche Generationen vietnamesicher Immigranten in Berlin.


Tag 4: Donnerstag, 7. September

Die erste öffentliche Intervention lag vor uns: Im Rahmen des 'Tag des offenen Denkmals' planten wir, bisherige Erkenntisse zu präsentieren und mit Lichtenbergern und Berlinern über unsere Konzepte zu diskutieren. Wir entwarfen eine interaktive Installation als Präsentationsformat. Am gleichen Abend hielt Elena Issayev von der University of Essex zudem ihren Vortrag "Between Hospitality & Asylum: History & Power of the Displaced' in der Galerie Box-Freiraum in Berlin-Friedrichshain.


Tag 5: Freitag, 8. September

Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, besuchte uns. Er betonte noch einmal die einzigartige Verantwortung und das Potenzial einer Entwicklung des ehemaligen MfS-Areals zum Campus für Demokratie. Das MfS-Areal ist durch 27 Jahre Vernachlässigung weitgehend als abgeschirmte Stadt in der Stadt erhalten geblieben und somit unmittelbar erfahrbar. Jahn regte an, den Campus weitestgehend baulich zu erhalten und zugleich als offenen Raum zu denken, an dem Demokratie und internationale Verständigung gelebt werden sollen.


Tag 6: Sonnabend, 9. September

Mittlerweile konnten wir viele Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Bornitzstraße zum Mitwirken anregen. Gemeinsam aktivierten wir das Haus 22, das ehemalige Offizierskasino, und präsentierten geladenen Gästen und zahlreichen Besuchern des 'Tag des offenen Denkmals' unsere Erkenntnisse auf Karten und Modellen. Das beispielhafte Szenario umfasste natürlich ein großes, internationales Buffet und syrische Live-Musik. Viele Besucher beteiligten sich an unserer Talent-Börse und unser Inventar an Gesuchen und Angeboten nach und an Fähigkeiten, Wissen und Dienstleistungen innerhalb Lichtenbergs wuchs weiter an. Ein Data-Pool, der in soziale Netzwerke und Tauschbörsen übertragen und fortgeführt werden soll.


Im Rahmen eines öffentlichen Spaziergangs mit Costanze Cremer von der Stattbau GmbH, Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Benjamin Griebe vom BstU und Vertretern der Landesdenkmalbehörde konnten die Summerschool-Initiatoren Kaja Kühl, Katharina Rohde und Oliver von Spreckelsen den Ansatz der Future Maker/s – Future Market/s im stadträumlichen Bezug erläutern.

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Interviews mit den Teilnehmern


Interview mit Workshop-Teilnehmernin Anne-Lisa Leinbach auf dem YouTube-Kanal der Stiftung.

Summerschool-Wettbewerb der Sto-Stiftung


Fakultäten und Fachbereiche für Architektur aller deutschen Hochschulen konnten sich zum sechsten Mal mit international ausgerichteten Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeit und energetisch sinnvollen Bauweisen für eine Projektförderung bewerben. Aus den Einreichungen haben Stiftungsrat Prof. Peter Cheret, Prof. Peter Fattinger von der TU Wien und der Stiftungsvorstands-Vorsitzende Uwe Koos vier Gewinner gekürt. Die Vorhaben werden mit je 10.000 Euro unterstützt.

Rückfragen beantwortet gerne

Bert Große
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