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Ruhrmoderne Sommerakademie | Expedition zur Ruhrmoderne-Architektur

20.07.2017

Bericht von der ersten Akademiewoche


Ein leerstehendes Schulgebäude in der Marler Innenstadt ist die Basis für die TeilnehmerInnen der Ruhrmoderne Sommerakademie. 49 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen haben dort ein temporäres Museum errichtet – als Ausgangspunkt für Führungen zu bislang unentdeckten Orten, aber vor allem zur Anregung des städtischen Diskurses zum Entwicklungspotenzial von Ruhrmoderne-Objekten.


In der ersten Akademiewoche bauten die Studierenden von sechs (Hoch-)schulen aus Marl, Köln, Dortmund, Münster und Kassel die Räumlichkeiten in der leerstehenden Schule aus. Es entstanden ein Café und Infopunkt, sowie Ausstellungsräume und ein Auditorium. Unter dem Namen Marschall 66 soll der Ort neu entdeckt werden und steht als kultureller Raum verschiedenen Projekten und Veranstaltungen rund um Architektur, Skulptur, Kunst und Stadtentwicklung zur Verfügung. Marschall bezieht sich dabei auf Architekt Günther Marschall und 66 auf das Entwurfsjahr 1966.


Tag 1: Sonntag, 14.05.17

Endlich ist es soweit: am Nachmittag treffen die ersten Studierenden ein und beziehen die Hauptschule. Betten werden aufgestellt, die Küche in Gebrauch genommen und das umliegende Terrain erkundigt. Die Teilnehmer haben sich bereits mehrere Wochen aus der Ferne mit Marl beschäftigt und ausführlich auf die Sommerakademie vorbereitet. Nach geselligem Abendessen, stimmt ein ruhrtypischer Film auf die Region und den Bauworkshop ein.


Tag 2: Montag, 15.05.17

Am nächsten Tag reisen die restlichen Teilnehmer an und nach einer kleinen Einführung von Georg Elben und einigen Anmerkungen zum Ablauf und Programm, starten einzelne Gruppen in ihre Recherche beziehungsweise Diskussion während die Baugruppe fleißig ihre Entwürfe in 1:1 mit dem bereits vorhandenen Material ausprobiert und -diskutiert. Der Entschluss eine Diagonale aus Holz zu bauen und während des Bauprozesses die einzelnen Abschnitte auszuformulieren wird schließlich kurz vor dem Abendessen gefällt. Zudem wird weiteres Baumaterial organisiert. Unterbrochen wird das Ganze nur vom gemeinsamen Mittagessen und der Einführung zu den Werkzeugen. Am Abend stellen sich die Studierenden schließlich gegenseitig ihren Arbeitsstand der jeweiligen Semesterprojekte vor und nach langer Diskussion schlafen nun alle 30 (die etwa 20 Schüler des Berufskolleg übernachten nicht in der Schule) auf den Matratzen und Betten des Sozialamtes ein.


Tag 3: Dienstag, 16.05.17

Während einige Teilnehmer den Marler Chemiepark besichtigen und andere weiter recherchieren, probiert die Baugruppe weiterhin verschiedene Versionen aus, fängt an die Getränkekisten zu Hockern umzubauen und Konstruktionen zur Aufhängung der Vorhänge zu entwerfen. Neues Material, insbesondere der Vorhangstoff, muss besorgt und in einem Treffen mit dem Bauamt und der Feuerwehr die baurechtlichen Auflagen für die temporären Einbauten geklärt werden. Auch andere Aufgaben, wie Unkraut jäten und Kochen werden von den Studierenden und Schülern gewissenhaft erledigt. Die Marler Zeitung, als auch der WDR dokumentieren derweil das emsige Treiben in der Schule. Am Nachmittag gibt es eine Exkursion mit Herrn Schaffrath vom Planungsamt der Stadt Marl durch den Marler Stadtkern und Siedlungen der Nachkriegszeit bis hin zur Scharounschule, zu der Herr Dreier (Initiativkreis Scharounschule) und Frau Schweinsberg (Schulleiterin) detailreich erzählen. Währenddessen produziert die Baugruppe mit den am Vormittag gebastelten Schablonen die ersten Meter der hölzernen Konstruktion und als Tagesabschluss folgen alle dem Vortrag des Dozenten Mischa Kuball im Sitzungssaal des Marler Rathauses.


Tag 4: Mittwoch, 17.05.17

Eine kleine Gruppe macht sich am Morgen auf den Weg nach Bergkamen und Lünen um mit Frau Kirchhoff (Denkmalpflegerin Lünen), Herrn Freudenthal, Herrn Korn (Förderverein für Kunst und Kultur Lünen) und Herrn Kellermann (Stadtplanungsamt Bergkamen) die örtliche Ruhrmoderne zu erkunden. Eine weitere Exkursion führt nach Herne (mit Herrn Brokmann von der Unteren Denkmalbehörde) und nach Recklinghausen. Zeitgleich wird weiterhin recherchiert, Interviews geführt und lokale Experten versammelt. Den ganzen Tag über wächst die Holzkonstruktion weiter an und schließlich starten auch die Näharbeiten für die textilen Raumteiler. Die dreidimensionale Struktur, die von den Kommunikationsdesignern gebaut wird um deren entworfenes Flyer-Layout vor dem Gebäude zu platzieren wird an diesem Tag fertig gestellt. Gegen Abend brechen fast alle nach Münster auf, wo Theo Deutinger einen Vortrag an der FH hält und die Ruhrmoderne nochmals ausführlich erläutert.


Tag 5: Donnerstag, 18.05.17

Nur einige machen sich an diesem Tag auf zum Chemiepark oder zum Stadtarchiv, viele suchen sich hingegen kleinere Bau- und Verschönerungsprojekte. So wird zum Beispiel die Fassade gesäubert, eine Wand verspachtelt, die Schaukästen aufgeräumt und gestrichen, Kästen für die Beamer und ein DJ-Pult gebaut. Die entworfenen Marschall 66-Flyer treffen ein und werden verteilt und in einem weiteren Treffen mit lokalen Experten werden mehr und mehr Informationen geniert um daraus architektonische Stadtführungen zu entwickeln. Auch die Holzkonstruktion ist nun weit fortgeschritten, trotzdem wird noch bis spät in die Nacht hinein daran geklopft und gehämmert und auch die Licht- und Vorhanggruppen legen noch den ganzen Abend lang Hand an.


Tag 6: Freitag, 19.05.17

Innerhalb nur eines einzigen Vormittags wird die zur Werkstatt umfunktionierte Pausenhalle aufgeräumt und blank gefegt. Neben den letzten Holzarbeiten, die Freilegung einiger Fenster und einem weiteren Expertentreffen steht vor allem das Herrichten der Schule für die Eröffnungsfeier im Vordergrund. Das Grillbuffet, die Bar, das Programm und das mobile Auditorium aus den Getränkekisten müssen organisiert werden. Tatsächlich ist en point die Schule herausgeputzt und bereit für die circa 100 Besucher. Diese lauschen den Rednern und bestaunen im Anschluss die baulichen Veränderungen und die von den Recherchegruppen präsentabel hergerichteten Arbeitsstände. Insbesondere die Treppe auf das Dach der Schule fasziniert und wie eigentlich die ganze Gruppe in diesem leer stehenden Gebäude zusammen gelebt und sich eingerichtet hat.


Tag 7: Samstag, 20.05.17

Nur einen Vormittag Aufräumarbeiten, ein letztes gemeinsames Frühstück und dann liegt die Schule wieder still und leer und wartet auf ihren nächsten Zwischennutzer. Die Studierenden reisen ab, in dem Wissen nochmal ein paar Tage an diesem speziellen Ort zurückkehren zu dürfen und in ein weiteres Stück (um) zu gestalten.


Fazit Woche I

Zum Ende der ersten Akademiewoche wurde die (Zwischen-)Ergebnisse aller Teilnehmer präsentiert und Marschall 66 offiziell eröffnet. Über 100 Besucher konnten während der Eröffnungsfeier einen Einblick in das Geschehen vor Ort bekommen und den lange unzugänglichen Ort in Marl erkunden. Der Bürgermeister Herr Arndt, der Direktor des Skulpturenmuseums Marls Georg Elben, die Projektorganisation und einige der Studenten eröffneten den Abend im fertig gestellten Auditorium. Andere Teile der Konstruktion – der Empfangstresen und der Café-Bereich – wurden an diesem Abend ebenso erfolgreich getestet.


Ausblick

Im Laufe des Semesters werden die einzelnen Hochschulgruppen ihre Entwürfe und Konzepte zur Ruhrmoderne konkretisieren und in der zweiten Akademiewoche (26. – 30. Juli) als Pop-Up-Ausstellung im "Marschall 66" gestalten. Der Ort wird zeitgleich auch Ausgangspunkt für Führungen zu bislang unentdeckten Orten der Ruhrmoderne in Marl und ein öffentliches Rahmenprogramm wird für drei Tage die Diskussion rund um die studentischen Arbeiten begleiten. In dieser Zeit soll nicht nur den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, in der Schule zu wohnen, sondern auch weitere Gäste können sich im „Hotel Ruhrmoderne“ einquartieren, um möglichst viel von dem angebotenen Programm mitzunehmen und das Gebäude selbst aus einer weiteren Perspektive kennenzulernen.

Summerschool-Wettbewerb der Sto-Stiftung


Fakultäten und Fachbereiche für Architektur aller deutschen Hochschulen konnten sich zum sechsten Mal mit international ausgerichteten Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeit und energetisch sinnvollen Bauweisen für eine Projektförderung bewerben. Aus den Einreichungen haben Stiftungsrat Prof. Peter Cheret, Prof. Peter Fattinger von der TU Wien und der Stiftungsvorstands-Vorsitzende Uwe Koos vier Gewinner gekürt. Die Vorhaben werden mit je 10.000 Euro unterstützt.

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Bert Große
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